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Übertragen Sie Ihre Ambitionen in die Realität

Winston Churchill soll einmal gesagt haben: "Never, never, never give up."[Gib nie, nie, niemals auf.] Dieser Rat wird aufstrebenden Schriftstellern oft gegeben, und er trifft zweifellos auch auf aufstrebende freiberufliche Übersetzer zu - denn beide Berufe zeichnen sich durch viele gemeinsame Faktoren aus. Wenn Sie zum Beispiel eine Karriere als freiberuflicher Übersetzer beginnen, kann es Ihnen passieren, dass Sie zahllose Agenturen und potenzielle Kunden kontaktieren und dabei unzählige Rückschläge einstecken müssen. Oft ist das erste Hindernis die folgende paradoxe Situation: "Es gibt mir niemand einen Auftrag, da ich keine Erfahrung habe, aber wie kann ich Erfahrung sammeln, wenn mir niemand einen Auftrag gibt?"

Natürlich ist es leicht nachvollziehbar, warum Übersetzungsagenturen - oder auch private Kunden - dazu neigen, vor unerfahrenen Übersetzern, die frisch von der Uni kommen, zurückzuweichen. Wenn Ihr Universitätsdozent beim Durchlesen Ihrer Übersetzung vom Englischen ins Deutsche ein paar echte Fehler findet, streicht er sie schlicht mit einem Rotstift an: Ganz anders sieht es jedoch aus, wenn ein Kunde Fehler in Ihrer Übersetzung findet - Fehler, die möglicherweise einen wichtigen Auftrag gefährden oder sein Unternehmen in den Augen potenzieller Kunden zum allgemeinen Gespött machen. Denken Sie nur mal einen Moment lang darüber nach, wie leicht einem Fehler unterlaufen, wenn man in seiner Muttersprache schreibt, und zwar ohne den Zwängen eines Quelldokuments zu unterliegen. Und dann stellen Sie sich mal vor, in welche möglichen Fallgruben Sie stolpern können, wenn Sie nicht bloß sicherstellen müssen, dass Ihr Text den Inhalt des Ausgangstexts genau wiedergibt (und zwar bis aufs I-Tüpfelchen korrekt hinsichtlich jeder stilistischen Nuance und technischen Wendung), sondern sich überdies so liest, als wäre er von vornherein in der Zielsprache geschrieben worden.

Es ist daher sinnvoll, sich nicht gleich in die Tätigkeit eines Übersetzers zu stürzen, ohne zuvor in dieser Branche das Laufen gelernt zu haben. Versuchen Sie sich anfangs erst einmal in einer untergeordneten Position, die es Ihnen erlaubt, von erfahrenen Lektoren zu lernen und sich einzuarbeiten. Sie mögen glauben (und das ist ganz natürlich), dass Sie ein Hochschulabschluss in Übersetzung dazu berechtigt, sich "Übersetzer" zu nennen. In Wahrheit ist das aber nur die erste Sprosse auf einer sehr hohen Leiter, die schließlich zu echter Kompetenz und professionellem Können führt.

Aber wie gelangt man auf diese wichtige erste Sprosse? Einer der besten Wege für neue Übersetzer, ihr Handwerk von der Pike auf zu lernen, ist der Start als unternehmensinterner Nachwuchsübersetzer. Die Kehrseite ist, dass solche Stellen nur dünn gesät sind und die Bezahlung nicht sehr hoch ausfällt, denn da Sie über keine Erfahrung verfügen, muss Ihre Arbeit geprüft werden. Nichtsdestotrotz ist die Tätigkeit als unternehmensinterner Nachwuchsübersetzer ein ausgezeichneter Karrierestart für frisch qualifizierte Übersetzer. Die Kontrolle Ihrer Arbeit und die konstruktive Kritik durch einen erfahreneren Übersetzer wird Ihnen dabei helfen, Ihre eigene Methodik zu entwickeln, Ihre Kenntnisse zu erweitern und die Branche aus dem Effeff zu verstehen - und es werden Ihnen in den ersten Monaten möglicherweise zahlreiche Anlässe für schamhaftes Erröten erspart

Ein anderer Weg, um Ihren Lebenslauf in der Anfangszeit mit Übersetzererfahrung aufzuwerten, ist das Übersetzen auf Freiwilligenbasis ohne Bezahlung - vielleicht für eine internationale Wohltätigkeitsorganisation oder kirchliche Einrichtung o. ä. Natürlich kann man von unbezahlter Arbeit nicht leben. Es ist daher am besten, Aufträge dieser Art in der Freizeit zu erledigen, während man weiterhin in seinem Vollzeitjob arbeitet. Sie können auch gezielt nach Websites internationaler Organisationen suchen, auf denen die deutsche Sprachvariante eindeutig fragwürdig ist, und der Organisation anschließend in einem Schreiben anbieten, den Text gegen Zahlung einer vereinbarten Gebühr neu zu übersetzen oder zu überarbeiten. Selbst wenn Sie bereits eine Menge Erfahrung gesammelt haben, sollte der endgültige Sprung zum "freiberuflichen Vollzeitübersetzer" mit einer gewissen Vorsicht gemacht werden (wobei der Begriff "Vollzeitübersetzer" aufgrund der wechselhaften Natur der Freiberuflichkeit ein Widerspruch in sich ist). Die goldene Lösung ist wohl, Ihre anderen Arbeitsverpflichtungen nach und nach zu reduzieren (d. h. durch Halbtags- oder Teilzeitarbeit), so dass Sie sich langsam in den freiberuflichen Markt hinein tasten und sehen können, welche Nachfrage für Ihre Kenntnisse und Fähigkeiten besteht. Sie könnten auch Ihre Dienste als Korrekturleser für Übersetzungen oder in Ihrer Muttersprache verfasste Texte anbieten. Damit haben Sie ein zweites Eisen im Feuer und zudem den Vorteil, sich einen Eindruck davon verschaffen zu können, wie andere Übersetzer/Texter/Schriftsteller Stil- oder Terminologiefragen lösen.  Auf diese Weise sammeln Sie wertvolles Wissen, das Ihnen bei Ihrer späteren Tätigkeit von Nutzen sein wird!  

Ein weiterer Weg zum Übersetzerberuf (oder zumindest um herauszufinden, ob dieser Job der Richtige für Sie ist) ist eine Tätigkeit als Projektleiter bei einem angesehenen Übersetzungsunternehmen. Eine solche Position bietet Ihnen die Gelegenheit, sich mit Übersetzungen, Übersetzern und der Branche im Allgemeinen vertraut zu machen, und es wird Ihnen manchmal die Chance gegeben, kürzere (und, falls Sie gut sind, längere) Texte zu übersetzen, wenn der übliche Übersetzer aufgrund von Termindruck verhindert ist. Erfahrungen wie diese sind überaus wertvoll, wenn es darum geht, Ihre gewählte Fremdsprachenkarriere zu fördern, sei es nun als Übersetzer oder Sachbearbeiter in einer stark sprachorientierten Position.

Werden Sie es also als Freiberufler zu etwas bringen? Das kann man nicht im Voraus mit hundertprozentiger Sicherheit beantworten! Wenn es Ihnen jedoch gelingt, all jene Übersetzerkenntnisse und -fähigkeiten, die wir oben näher betrachtet haben, mit eiserner Entschlossenheit und Erfolgswillen zu vereinen, dann haben Sie eine gute Chance, dass sich Ihre Beharrlichkeit später auszahlt. 

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